Gesichter des BJL: Johannes Erz  

Was zeichnet die Menschen in den Betrieben beim Bündnis Junge Landwirtschaft aus? Wie sind sie in die Landwirtschaft eingestiegen, was bringt ihnen Freude und was fordert sie heraus? Im Rahmen einer Interviewreihe sprechen wir mit unseren Mitgliedern über ihren Alltag und ihre Visionen. 

08.07.2021

Gesichter des BJL: Johannes Erz  

Foto: Bauernhof Erz

Diesmal stellen wir euch Kürbis- Kartoffel- und Linsenbauer Johannes Erz vor. Zusammen mit seiner Frau Hanna führt er seit 2016 einen ökologischen Betrieb im Oderbruch.  

Johannes, wie bist du und Hanna in die Landwirtschaft gekommen?

Wir beide kommen nicht vom Land, aber hatten schon immer Interesse an der Landwirtschaft. In der Schulzeit arbeitete ich auf einem Hof und die Menschen dort sind meine zweite Familie geworden. Hanna wollte schon als Kind Landwirtin werden, aber als Frau hat sie sich erst nicht getraut, eine Ausbildung anzufangen. Sie absolvierte erst eine Ausbildung zur Floristin und später, als sie andere Landwirtinnen kennenlernte, begann sie eine landwirtschaftliche Ausbildung und schloss sie ab. Dort lernten wir uns auch kennen. Die Ausbildung war eher konventionell ausgerichtet, wir fanden den Ökolandbau aber schon damals viel spannender. Daher zogen wir 2009 aus unserer Heimat Baden-Württemberg nach Eberswalde, um dort Ökolandbau und Vermarktung zu studieren.   

Wie habt ihr euren Betrieb gegründet?

Nach dem Studium dachten wir nach, ob wir hier bleiben oder zurück in den Süden kehren. Bei den Vorlesungen wurde uns immer wieder gesagt: „Berlin ist groß, Berlin braucht Bio, fangt an!“. Wir haben auch festgestellt, dass Brandenburg eine Agrarwüste ist, die begrünt werden muss, indem hier neue Betriebe gegründet werden. Das waren stichfeste Argumente. Wir blieben. 

Wir hatten kein Geld und mieteten erstmal eine Hofstelle mit 1,5 ha Land in der Nähe von Seelow. Dort fingen wir mit der mobilen Hühnerhaltung und dem Gemüsebau an. 2015 haben wir auf Immobilienscout die Hofstelle in Rathstock mit 10 ha Land gefunden. Der Oderbruch war schon immer mein Traum: die Böden hier haben um 60 Punkte. Daher nahmen wir einen Bankkredit auf und kauften den Hof. 2016 hatten wir noch zwei Hofstellen, Ende des Jahres gaben wir den ersten Hof auf und fokussierten uns hier auf den Kartoffel- und Kürbisanbau. Nun haben wir knapp 20 ha Land, die Hälfte davon ist gepachtet. Auf diesem bauen wir 4 ha Kürbis, 3 ha Kartoffeln und auf dem restlichen Land Kleegras und Getreide an.


Foto: Bauernhof Erz

Wie vermarktet ihr eure Erzeugnisse?

Hauptsächlich beliefern wir inhabergeführte Bioläden und einige Foodcoops in Berlin und Brandenburg. Wir haben auch einen Hofladen mit Selbstbedienung. Der ist jeden Tag offen und dient uns auch als Kommunikationsplattform, wo wir mit den Menschen aus der Region in Kontakt treten, und auch als Tool, um an neues Land zu kommen. 

Dieses Jahr haben wir eine neue Partnerschaft mit der Solawi „Speisegut“. Für die bauen wir 1,5 ha Kartoffel und 1 ha Kürbis an. Außerdem kooperieren wir mit der Berliner Schulverpflegung und kürzlich kam der Partner „Transgourmet“ hinzu.

Warum habt ihr euch für Kartoffel und Kürbis entschieden? 

Weil wir keine Angestellten haben und diese Kulturen gut zu zweit anbauen können. Wir haben uns die Aufgaben etwas aufgeteilt: Hanna arbeitet mehr auf dem Acker mit der Technik und ich bin eher in der Vermarktung aktiv. Da wir uns keine Angestellten leisten können, ist uns die Spezialisierung auf bestimmte Kulturen wichtig. Erst jetzt, wenn wir eine gewisse Routine mit dem Anbau von Kürbis und Kartoffeln haben, probieren wir andere Kulturen wie Zucchini und auch die Linse aus. 

Wie seid ihr zum Linsenanbau gekommen? Das ist nicht gerade typisch für Brandenburg.  

Wir kommen aus Süddeutschland und essen gern Spätzle mit Linsen. Die Anbaubedingungen hier im Oderbruch - kontinentales Klima und schwere Böden - sind für den Linsenanbau bestens geeignet. Gleichzeitig ist die Nachfrage nach regionalen Hülsenfrüchten in Berlin sehr groß. Letztes Jahr war unser erster Versuch mit der Linse und wir haben ziemlich viele Fehler gemacht: in der Bodenbearbeitung, mit der Saatstärke und Sortenwahl. Wir säten drei Sorten aus, die es auf dem Markt gibt, um zu schauen, wie sie wachsen. Eine Sorte stellte sich als besonders geeignet heraus und die bauen wir dieses Jahr an. Es braucht Zeit, um eine Kultur in Perfektion anbauen zu können. Bei Kürbis dauerte es fünf Jahre. Wir sind gespannt, wie es weiter mit der Linse läuft!  


Foto: Bauernhof Erz

Die Maschinen für den Linsenanbau wolltet ihr über eine Crowdfunding-Kampagne finanzieren. Ist euch das gelungen? 

Ja, das Crowdfunding war erfolgreich. Da wir schon von Anfang an in Social Media aktiv sind, konnten wir das nötige Geld sammeln. Wir beschäftigten uns sehr intensiv damit und posteten jeden Tag. Das war kräftezehrend, aber es hat sich gelohnt. Ich würde es aber nur empfehlen, wenn du bereits eine gewisse Reichweite in Social Media hast. Wenn du einen Betrieb ohne Social Media Kanäle hast, wird Crowdfunding nicht funktionieren. 

Nach welchen Prinzipien wirtschaftet ihr? 

Wir sind zertifizierter Ökobetrieb und Mitglied des Biokreis-Verbandes. Wichtig für uns ist, dass unsere Landtechnik nicht schwerer als 3,5 Tonnen ist. So schonen wir unseren Boden. Das Thema Agrarökologie gewinnt immer mehr Bedeutung bei unserer Arbeit. Unsere Flächen sind in kleinere Parzellen unter 1,5 ha unterteilt und mit Grünstreifen untergliedert, um die Biodiversität auf dem Acker zu fördern. In den nächsten Jahren wollen wir dort auch Sträucher und Bäume pflanzen.

Wie wollt ihr den Betrieb weiterentwickeln?

Wir brauchen mehr Land, um mehr Getreide, Linsen und Kürbisse anbauen zu können. Es ist aber sehr schwierig, daran zu kommen. Im Nachbardorf Golzow sind momentan Flächen der BVVG (Bodenverwertungs- und -verwaltungs GmbH, Verwalterin der bundeseigenen Landwirtschaftsflächen) ausgeschrieben. Die Pachtlaufzeit beträgt aber nur vier Jahre. Das heißt, es lohnt sich für uns als Ökobetrieb wirtschaftlich nicht und wir sind von der Pacht ausgeschlossen. Zum einen, weil die Ökoförderung über fünf Jahre läuft. Zum anderen, weil bei der Umstellung der konventionellen Flächen auf Bio müssen die Erzeugnisse zwei Jahre zu konventionellen Preisen verkauft werden. Erst nach den zwei Jahren können wir zu Biopreisen vermarkten. Das ist ein politisches Problem und betrifft nicht nur unseren Betrieb. Wir werden aber soweit wie möglich versuchen, diese Verhältnisse zu ändern, sodass junge Bäuerinnen und Bauern besseren Zugang zum Land haben. 

Danke dir für das Gespräch und viel Erfolg!

Über den Autor

Viktoriia Mokretcova